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Als im Kaisersaal die rote Fahne wehte (Artikel der Segeberger Zeitung)

Veröffentlicht am 27.01.2019, 21:14 Uhr     Druckversion

SPD in Bad Bramstedt existiert seit 100 Jahren – Erfolg gleich bei der ersten Wahl

 

 

Bad Bramstedt. Im 17. Jahrhundert unter Jürgen Fuhlendorf waren die Bramstedter noch ein revolutionäres Völkchen, begehrten gegen die adelige Obrigkeit auf. Rund 250 Jahre später, als das Kaiserreich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg am Boden lag, war von der rebellischen Gesinnung nicht mehr viel übrig. Immerhin gab es auch in Bramstedt einen Arbeiter- und Soldatenrat, aber der sorgte sich mehr um Recht und Ordnung anstatt um die Weltrevolution, erklärte der Kaltenkirchener Historiker Dr. Gerhard Braas in einem Vortrag zum 100-jährigen Bestehen der SPD in Bad Bramstedt.

Der 64-Jährige hat sich für einen Aufsatz in einer SPD-Publikation ausgiebig mit den ersten Tagen der Sozialdemokratie in Bad Bramstedt befasst. „Ich bin zur Jürgen-Fuhlendorf-Schule gegangen, deshalb habe ich immer noch eine enge Verbindung zu Bad Bramstedt“, sagte der Kaltenkirchener, der im Kaisersaal rund 60 Zuhörer fand.

Als im November 1918 die Soldaten und Arbeiter in Kiel auf die Barrikaden gingen, die revolutionäre Stimmung sich von dort im ganzen Kaiserreich ausbreitete, machte sie auch vor Bad Bramstedt und Umgebung nicht halt. In Bimöhlen gab es ein großes Kriegsgefangenenlager. „Es befand sich am Buchenweg“, wusste ein Bimöhler beizutragen, südlich von Bimöhlen in Richtung Holmau. Zu sehen ist davon heute nichts mehr, es waren nur Holzbaracken“, berichtete Braas. Aber: Dass heute dort Landwirtschaft betrieben werde, sei dem Einsatz der Kriegsgefangenen zu verdanken. Vor allem Russen waren zur Kultivierung der Moorlandschaft eingesetzt. Die Wachmannschaft, Soldaten der Reichswehr, bildete dort Ende 1918 einen Soldatenrat. Auch die Wachmannschaft des Gefangenenlagers Springhirsch, zehn Kilometer südlich von Bad Bramstedt gelegen, gründete einen Soldatenrat.

„Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, die Kriegsgefangen zu bewachen“, so Braas. Die waren nach der Niederlage des Kaiserreiches zwar frei, blieben aber zum Teil noch bis 1920 in den Lagern. „Es kam zu wochenlangen Alkoholexzessen“, weiß der Historiker vor allem aus den vier damaligen Lokalzeitungen, den „Bramstedter Nachrichten“, dem „Segeberger Kreis- und Tageblatt“, den „Kaltenkirchener Nachrichten“ und der „Kaltenkirchener Zeitung“. Der Schnaps wurde aus Kartoffeln und Steckrüben selbst gebrannt. „Die Kleinkriminalität wurde zu einem großen Problem, die Zeitungen standen voll davon.“

Die Bad Bramstedter Sozialdemokraten bildeten am 9. November 1918 einen sechsköpfigen Arbeiterrat unter dem Vorsitz den Carl Jans. Am Kaisersaal, dem Gründungslokal, „wehte erstmals die rote Fahne“, so Braas. Doch auch dort ging es in erster Linie „um die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens“, wie es in einer Veröffentlichung des Arbeiterrates hieß. Die Versorgung der Einwohner mit Lebensmitteln stellte das größte Problem dar.

Dennoch gab es schnell Gegenwind der konservativen, monarchistisch gesinnten Eliten. Der altgediente vorherige Bürgermeister Gottlieb Freudenthal warf dem Rat Unregelmäßigkeiten bei der Lebensmittelverwaltung vor, der Bürgerverein um den Lehrer und Organisten August Kühl sprach dem Arbeiterrat jede Legitimation ab. Das Ende des Arbeiterrates kündigte sich mit der ersten Kommunalwahl am 3. März 1919 an, an der erstmals auch Frauen teilnehmen durften.

Der „Sozialdemokratische Ortsverein“, der im Januar 1919, also genau vor 100 Jahren, gegründet worden war und dem der Großvater des späteren FDP-Politikers Jürgen Koppelin, Gustav Schatz, vorstand, kam auf 42,3 Prozent. Er stellte fortan acht der 18 Stadtverordneten.

Der Arbeiterrat war durch die repräsentative Demokratie der Weimarer Republik überflüssig geworden, er bestand noch bis Ende 1919 fort. Mit einer Abschiedsfeier im Kaisersaal wurde das Ende besiegelt. „Zur Verlosung kommt ein Schwein“, hieß es in der Einladung in den „Bramstedter Nachrichten“.

 

 

Kriegsgefangene kultivierten die Moorlandschaft

 

Homepage: SPD Bad Bramstedt


 
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